Schöpfungsleitlinien

Als Christinnen und Christen bekennen wir Gott als den Schöpfer des Him-
mels und der Erde. Das heißt: alles, was ist, verdankt sich nicht dem Zu-
fall, sondern dem schöpferischen Willen Gottes. Dem Menschen kommt in
Gottes Schöpfung eine besondere Rolle zu. Als Ebenbild des Schöpfers,
soll er als dessen Stellvertreter sich die Erde untertan machen, über sie herrschen, sie bebauen und bewahren. Der Mensch hat die würdevolle
Aufgabe, an Gottes kontinuierlichem Schöpfungshandeln mitzuwirken.
 
Aus diesem Status resultiert für uns Menschen eine doppelte Verantwor-
tung: gegenüber Gott dem Schöpfer und gegenüber unseren Mitgeschöp-
fen. Gott gegenüber sind wir über den Umgang mit der Erde rechen-
schaftspflichtig und zwar dafür, wie wir unserem Auftrag nachgekommen
sind. Dieser besteht in der verantwortungsbewussten Fürsorge für alle
Mitgeschöpfe. Am Anfang des 21. Jahrhunderts setzt sich mehr und mehr
die ernüchternde Erkenntnis durch, dass die Menschheit dabei ist, ihren
Auftrag zu verfehlen. Mehr denn je benötigen wir vor allem in unserer
westlichen Welt einen reflektierten und verantwortungsbewussten Um-
gang mit der Natur und ihren Ressourcen.
 
Als christliche Gemeinde sehen wir deshalb unseren Auftrag zunächst
darin, ein neues Bewusstsein für den Schöpfungsauftrag zu schaffen. Da-
zu leisten Verkündigung und Unterricht, Erwachsenenbildung und gezielte Informationspolitik einzelner mit dem Umweltschutz Beauftragter einen wichtigen Beitrag. Um wirklich effizient sein zu können, ist uns die Beteili-
gung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Hauptanliegen.
 
An den vielen Schnittstellen zur bürgerlichen Gesellschaft wollen wir die besonderen Kommunikations- und Multiplikationsmöglichkeiten unserer Kirchengemeinde wahrnehmen. Unser Handeln auf dem Umweltsektor soll Vorbild- und Zeichencharakter haben. Dies ist nur möglich im Rahmen größtmöglicher Transparenz und einer wahrhaftigen Kommunikation mit der Öffentlichkeit.
 
Um informiert handeln zu können, braucht es eine solide Datengrundlage. Wir bemühen uns, regelmäßig unser Handeln als Kirchengemeinde in allen Bereichen zu erfassen, um alle Prozesse auf ihre Umweltverträglichkeit hin überprüfen und gegebenenfalls optimieren zu können. Die ständige Ver-
besserung der Umweltsituation ebenso wie die sichere Einhaltung des Umweltrechts machen wir uns dabei zu bleibenden Anliegen.
 
Wir wissen um die Begrenztheit der uns zur Verfügung stehenden natür-
lichen Ressourcen wie Erdöl oder Erdgas. Wir wollen zu Sparsamkeit und verantwortungsvollem Umgang damit anleiten. So weit wie es auch wirt-
schaftlich tragbar ist, soll der Umstieg auf erneuerbare Energieformen gefördert werden.
 
In allem wollen wir einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. In einer sehr auf die Gegenwart bezogenen Zeit müssen wir uns der Verantwortung für zukünftige Generationen stellen. Im Blick auf die Ökumene müsste die Einübung eines global verallgemeinerbaren Lebensstils oberste Priorität auf der politischen Agenda bekommen. Darin wissen wir uns mit allen Menschen und Organisationen verbunden, die das gleiche Ziel verfolgen.
 
Als Geschöpfe zu leben und zu handeln bedeutet auch, sich der Be-
grenztheit der eigenen Möglichkeiten bewusst zu sein. Darum sollen alle unsere Anstrengungen im Gebet und in der Hoffnung auf den Schöpfer gegründet sein, der die Welt erhält und trägt.